Sommerserie "Fähnriche" im Tagblatt: Edy Bitschnau vom TVFG

Stets auf Achse und doch
verwurzelt
Sommerserie «Fähnriche»: Heute mit Edy Bitschnau vom Tambourenverein Fürstenland
Gossau
«Ein Verein kann nur existieren, wenn man aktiv mithilft, immer dabei ist», ist
die Devise Edy Bitschnaus. Für ihn keine leeren Worte, denn seit 28 Jahren hilft
er im Tambourenverein Fürstenland Gossau mit - seit ungefähr einem Jahr auch als
Fähnrich.
Ein waschechter Gossauer ist er, Edy Bitschnau. Obschon sein Nachname
walliserischen Ursprungs sei und der 48-Jährige etwa elf Jahre in der
Innerschweiz gelebt habe. «Ich bin an der Mooswiesstrasse aufgewachsen», erzählt
er, «in einem Haus von Kohlen Rohner.» Nachher wohnte er an der Mueltstrasse,
bis er, wegen seiner damaligen Freundin, nach Luzern zog.
Mit Trommel an Umzug
In der dritten Klasse begann Edy Bitschnau zu trommeln. Sein erster Auftritt
war, gemeinsam mit den Tambouren, am Fasnachtsumzug. «Die Trommel war damals vom
Fasnachtskomitee gesponsert worden.» Fasziniert von diesem Instrument, sei er
daran «hängen geblieben». Unterricht erteilte ihm Josef Rieser Senior vom
Tambourenverein Gossau, und geübt hat er zu Hause auf dem Holzblock. Während der
Lehre wechselte Edy Bitschnau zu den Drums-Tambouren - «die mit den
Filzschlägern, Tschinellen und Pauken», erklärt er. Nie hätte er damals davon
geträumt, dass er dereinst, etwa 40 Jahre später, die Fahne des Tambourenvereins
Fürstenland-Gossau tragen würde. Damals träumte er davon, Kapitän zu werden.
«Ich las viele SJW-Heftli, und in einem wurde ein Rheinschiffer vorgestellt.»
Doch Vater Bitschnau schlug seinem Sohne vor, erst einmal eine Lehre zu machen,
«dann hast du was», habe es geheissen. Und wie in früheren Zeiten üblich,
erlernte der Sohn den selben Beruf wie der Vater - in diesem Falle
Maschinenschlosser.
Stets auf Achse
Allerdings liess Bitschnau Junior den Traum von der Freiheit, wie er ihn mit dem
Beruf Kapitän in Verbindung brachte, nicht los. Er begab sich etwa 1967 auf
Mühlebaumontage, war viel unterwegs. Fuhr sechs Jahre lang mit dem Lastwagen in
Europa umher, etwa drei Jahre in der Schweiz. Zu dieser Zeit lebte er bereits
mit seiner Frau in Luzern, wo seine erste Tochter zur Welt kam. Den
Tambourenverein habe er in all dieser Zeit nie aus den Augen verloren. Bei
Gelegenheit fuhr er übers Wochenende nach Gossau. 1987 stand Bitschnaus
Entschluss fest, wieder in Gossau zu wohnen. «Genau drei Tage waren wir von der
Innerschweiz zurück, als mich ein Vereinskollege per Telefon bearbeitete, doch
wieder aktiv, als Paukist, im Tambourenverein teilzunehmen.» Und er liess sich
überreden. Er wirkte im Vorstand mit. Dazu kam, dass er Uniformenwart des
Vereins wurde, Uniformen hegte und pflegte, sie per Bus an die Anlässe
transportierte, im Materiallager aufbügelte. Inzwischen erblickte Familie
Bitschnaus zweite Tochter das Licht der Welt. «Wir investierten viel Zeit in den
Verein, meine Frau musste oft ihre Ferien verschieben, wenn wieder ein
Tambourenumzug war.» Viel Zeit verbrachte Edy Bitschnau auch, gemeinsam mit
seinen Vereinskollegen, mit dem Bauen des neuen Probelokals. Er lacht: «Ich hab
dank des Vereins gelernt, wie eine Gipswand zu stellen ist.»
Die Pauke niedergelegt
Paukist Edy Bitschnau wurde das viele Proben für die Auftritte jedoch mit der
Zeit zu viel. «Die Luft war bei mir einfach einmal draussen.» Als er sich
entschied aufzuhören, wurde er gefragt, ob er der Nachfolger von Fähnrich Roland
Seiler werden wolle - er sagte gerne zu. «Für mich war es eine Chance, in
Kontakt mit dem Verein zu bleiben.» Denn die Erinnerungen an die vielen
gemeinsamen Ausfahrten und Anlässe, die «Gässlete» nach Konzerten und die
lehrreichen und amüsanten Stunden im Probelokal, hielten Edi Bitschnau fest.
«Ich war immer dabei, wenn ich konnte. Habe vom Verein so viel bekommen, bin
aber auch bereit zu geben.» Und seit Mitte vergangenem Jahr trägt er nun die
Fahne, wohin es den Verein auch zieht.
Goldene Lorbeeren
Zu einem seiner schönsten Vereinserlebnisse gehört das diesjährige
Eidgenössische Tambouren und Pfeiferfest in Siders. Bitschnau zeigt auf die drei
Siegerpokale, die im Vereinslokal aufbewahrt werden. Mit «hohlem Kreuz» habe er
am «Eidgenössischen» gestanden und die goldenen Loorbeeren mit der Fahne
entgegengenommen. Stolz ist er auf den Verein, der für ihn wie eine zweite
Familie sei.